Führerschein für den Haushalt

An den Berufsbildenden Schulen in Vöhrum lernen Schüler*innen einen eigenen Haushalt zu führen

Peine. Welche Reinigungsmittel sind umweltfreundlich? Wie widerrufe ich einen Handy-Vertrag? Und wofür steht die Abkürzung „NK“, wenn man auf Wohnungssuche ist? Auf diese Fragen sollen im Schul-Unterricht künftig eine Antwort gefunden werden. Mit einem „Hauswirtschafts-Führerschein“ will Verbraucherschutzministerin Barbara Otte-Künast (CDU) Schüler auf das Leben vorbereiten. An den Berufsbildenden Schulen in Peine (BBS) sind hauswirtschaftliche Inhalte schon lange Bestandteil des Unterrichts. Bewusste Ernährung, Wäsche waschen, und der Umgang mit Geld – diese Kompetenzen werden an den BBS vermittelt.

„Ich finde die Idee eines Führerscheins interessant, weil man davon viele Dinge im Alltag gebrauchen kann“, sagt Schülerin Darrleen Omelan (17). Hauswirtschaft steht bereits auf ihrem Stundenplan. „Früher konnte ich nicht wirklich gut kochen, das fällt mir mittlerweile leichter“, sagt sie. Auch die Wäschepflege wird an der BBS unterrichtet. „Ich weiß, wie man Kleidung richtig zusammenlegt und ein Hemd ohne Falten bügelt“, so Darleen. Und auch Tricks in der Küche habe sie gelernt, etwa wie eine Mayonnaise gelingt. Was sie gerne noch beim „Hauswirtschafts-Führerschein“ lernen würde? „Wie man eine Steuererklärung macht“, antwortet die 17-Jährige. Ihre Schulkameradin Delia Lobacevskij (18) hofft, dass man „beim Hauswirtschafts-Führerschein auch etwas über Mietverträge erfährt.“

Die Inhalte des Führerscheins gliedern sich in einzelne Module. Bislang wurde das Lernpaket für 400 Lehrer der 75 Berufsbildenden Schulen in Niedersachsen bereitgestellt, an denen Hauswirtschaft bereits im Lehrplan verankert ist. Auch bewusste Ernährung ist Teil des Führerscheins. „Ich finde es wichtig, dass Schüler wertschätzend mit Lebensmitteln umgehen, gemeinsam kochen und essen“, sagt Maria Zerhusen, Leiterin der BBS. Eine gemeinsame Esskultur ist der Schulleiterin wichtig: So fördere das Fach „Hauswirtschaft“ die Integration von Schülerinnen und Schüler mit Sprachbarrieren, die aber beim Kochen ihre praktischen Fähigkeiten unter Beweis stellen können. An den Schule entstehe eine kulturelle Vielfalt, wenn Lernende Gerichte verschiedener Nationen kochen würden und gleichzeitig sei das Kochen ausländischer Speisen eine Wertschätzung für die Schüler und ihrer Kultur.

Wissen über gesunde Ernährung sei auch deshalb wichtig, weil „viele Jugendliche eine Essstörung haben oder unter Übergewicht leiden“, sagt ihre Kollegin. An den BBS lernen sie, sich bewusst zu ernähren. „Wir unterteilen dabei nicht in gute und böse Lebensmittel und wir zählen natürlich auch keine Kalorien“, sagt die Teamleiterin. Vielmehr gehe es darum, Lebensmittel und deren Inhaltsstoffe kennen zulernen, genauso wie Prüfsiegel. „Schüler sollten wissen, welches Fleisch aus Massentierhaltung stammt – und welches nicht“, so Friederike Bartels-Beck.

„Wir haben auch Schüler, die Handy-Verträge abgeschlossen haben und sie dann nicht bezahlen konnten“, ergänzt Friederike Bartels-Beck, Teamleiterin für Hauswirtschaft an den Berufsbildenden Schulen.
Der Umgang mit Geld – und das Widerrufsrecht gehören ihrer Meinung nach unbedingt auf den Stundenplan – und sind Teil des Führerscheins.

Für den „Hauswirtschafts-Führerschein“ sind vier Unterrichtsstunden pro Woche vorgesehen. Bis zur Prüfung dauert es sechs Monate bis ein Jahr. An den BBS könnte der Führerschein bereits nach den Sommerferien starten. „Wir sind derzeit in der Planung“, sagt Schulleiterin Maria Zerhusen. Vorstellbar sei auch, den Führerschein allen Schülern anzubieten, als auch aus den Bereichen in der Wirtschaft und Verwaltung, Holz- und Bautechnik sowie in der Sozialpädagogik und in den Pflegeberufen.

PAZ 22.06.21, Nina Schacht, Seite 12

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