Start der Europawoche 2019

Politiker stellen sich den Fragen der Schüler

Gestern fand in einer gemeinsamen Veranstaltung von der BBS Peine und der IGS Peine eine Podiumsdiskussion mit Politikern statt.

Eingeladen dazu waren der Peiner Landtagsabgeordnete Christoph Plett (CDU), der langjährige Europaabgeordnete Bernd Lange (SPD), der regionale Kandidat der FDP, Max Weitemeier, und Heiko Sachtleben, Kreistagsabgeordneter der Grünen und Mitglied des Landesvorstands seiner Partei.

Heiko Sachtleben, Bernd Lange, Max Weitemeier, Christoph Plett

Politik-Teamleiter Ulf Wolters und Klassenlehrerin Melanie Keime als Hauptorganisatoren von der BBS Peine konnten auf eine sehr erfolgreiche und öffentlichkeitswirksame Veranstaltung zurückblicken. So verfolgten etwa 450 Schülerinnen und Schüler die Diskussion in der IGS Aula.

Besonders überzeugen konnten unsere Schüler aus der Industriekaufleute-Klasse im Team mit den IGS-Schülern, indem sie als Moderatoren durch gezielte Fragen an die einzelnen Politiker viele Themengebiete zur Beantwortung freigaben. (siehe Ablaufplan)

Aufgrund der Wichtigkeit dieser politischen Veranstaltung waren die Schulleiterinnen beider Schulformen anwesend. So machte bereits Maria Zerhusen, Leiterin der BBS Peine, in ihrer Begrüßung deutlich: „Wir wollen nicht nur Fachwissen vermitteln, sondern auf das Leben vorbereiten. Und da sind wahlen ein wesentlicher Bestandteil, da es um die Gestaltung der Zukunft geht.“ Ulla Pleye, Schulleiterin der IGS Peine, ergänzte, dass ihre Schule offen, politisch und manchmal ein bisschen frech sei und nicht immer alles abnicke, sondern sich auch kritisch einmische. Dies möchte sie auch ihren Schülern mit auf den Weg geben, und solch eine Veranstaltung biete eine gute Grundlage dazu.

Nachdem die Schüler beider Schulen die Kandidaten der Podiumsdiskussion vorgestellt hatten, wurde eins recht schnell deutlich: Die Europawahl fällt in eine Zeit, in der die Politisierung einer jungen Generation in Deutschland zunimmt. Lautstarke Proteste bei „Fridays for Future“ zeigen dies ebenso wie die Demonstrationen gegen Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform.


So war das erste Thema die Klimapolitik, unter anderem baten die Schülerinnen Thea Liebich und Lea Wiedera um eine Stellungnahme zum Kohle-Ausstieg und stellten die Frage, was sich für die Parteien seit dem öffentlichen Auftreten der Klima-Aktivistin Greta Thunberg geändert habe. Bereits hier gab es kontroverse Meinungen, einig waren sich die Politiker jedoch darin, dass dringender politischer Handlungsbedarf besteht.

Weitemeier forderte Alternativen zum Auto: „Busfahren, Bahnfahren – das muss erschwinglicher werden.“ Für den Kohleausstieg sprach sich Sachtleben aus, „aber nicht erst 2038, sondern schon 2028.“

Die Schülerproteste hätte seine Partei sehr wohl vernommen, so Plett. „Bei uns in der CDU ist der Klimaschutz deutlich nach vorne gerutscht.“ Klimapolitik müsse aber mit Augenmaß betrieben werden, sie dürfe keine Arbeitsplätze gefährden.
Wenig zurückhaltend mit ihren Fragen waren auch die angehenden Industriekaufleute Alina-Christin Hansen und Ibrahim-Can Sönmez. Sie hinterfragten die europäische Finanzpolitik und wollten von den Politikern wissen, welche Auswirkungen ein möglicher Brexit für Europa, aber auch für Deutschland konkret habe.

FDP-Politiker Weitemeier, mit 19 Jahren Jüngster in der Runde, sagte: „Wir dürfen uns mit Großbritannien keinen Klotz ans Bein hängen, der die europäische Entwicklung in den nächsten Jahren hemmt. Wir müssen beim Brexit allmählich zu Ergebnissen kommen.“

Christdemokrat Christoph Plett befürchtete bei einem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs „gravierende negative Auswirkungen für die Wirtschaft“ in der Exportnation Deutschland. Plett fordert eine Regelung, nach der Großbritannien handelspolitisch mit dem europäischen Festland verbunden bleibt. Grünen-Kreispolitiker Sachtleben dachte auch an die Menschen: „Wir müssen versuchen, Großbritannien in der EU zu halten. Briten arbeiten bei uns und umgekehrt. Diese Menschen auf beiden Seiten haben sich wirtschaftlich vieles aufgebaut.“

„Einen harten Brexit – Großbritannien würde dann über Nacht zu einem normalen Drittstaat – will keiner“, sagte SPD-Europa-Experte Lange. Er könne sich ein zweites Referendum gut vorstellen, sagte der 63-Jährige: „Geht Großbritannien ungeordnet aus der EU, befürchte ich, dass es innergesellschaftlich zu großen Problemen kommt.“

Weitere Themenrunden beschäftigten sich schließlich noch mit der Migrationspolitik, dem Mindestlohn, der Jugendarbeitslosigkeit und letztendlich der Zukunft Europas.