Seitenblick auf Ungarn

Erst einmal kurz zu meiner Person: Ich bin ein 20-jähriger Auszubildender zum Industriekaufmann und besuche die Berufsschule in Peine.

Da ich mich nun so ziemlich am Ende des Ungarn-Austausches befinde und es bald nach Deutschland zurück geht, möchte ich hier nun ein wenig über meine Eindrücke sowie Erfahrungen, aber hauptsächlich interkulturelle Begegnungen, schreiben.

Angekommen und erschöpft von der knapp 14-stündigen Reise von Peine nach Szombathely, hier in Ungarn, bezogen wir also erst einmal unsere neuen Zimmer.

Bereits am 2.Tag unserer Reise habe ich eine erste, neue Freundschaft knüpfen können. Ein Mann namens Luis, der aus Spanien kommt und in Szombathely an einer Universität im Zentrum der Stadt ein Studium über Windenergie absolviert und im nächsten Jahr promoviert und anschließend als Professor an dieser unterrichten wird. Gesprochen haben wir auf Spanisch, größtenteils aber auf Englisch. Wir haben viel Zeit miteinander verbracht, gelacht und über ernste und wichtige Dinge im Leben diskutiert.

Im Laufe der ersten Woche habe ich dann eine Gruppe von Englischlehrern getroffen. Diese waren ebenfalls Teil eines internationalen Projektes und einer von ihnen kam sogar aus den Vereinigten Staaten angereist, um in Ungarn Studenten an der Universität zu unterrichten. Wie ich so bin, habe ich natürlich direkt ein Gespräch mit diesen begonnen, als ich bemerkt hatte, dass sie Englisch sprachen. Auch mit dieser Gruppe habe ich einige Zeit verbracht, mich ausgetauscht und meinen interkulturellen Horizont erweitern können.

Einige Tage vergingen und ich lernte immer mehr Leute innerhalb unserer Unterkunft kennen. Viele von ihnen sprechen Englisch oder Deutsch und sind sehr offen und interessiert daran, etwas über Deutschland, Kultur und Mensch, zu erfahren. Darunter zählten sich Nationalitäten wie etwa: ungarisch, deutsch, spanisch, marokkanisch und chinesisch.

Nach unzähligen Kneipenbesuchen mit meinen neugewonnenen Freunden aus der Unterkunft gelang es mir auch, Kontakte außerhalb der Unterkunft zu knüpfen und diese auch sehr gut zu pflegen. Wir trafen uns also regelmäßig, unternahmen etwas zusammen und – wer hätte das gedacht – wir gingen oft aus und haben eine Menge zusammen getrunken.

In der letzten Woche traf ich nun auch auf eine Gruppe von Deutschlehrern aus Österreich, die hier in Ungarn auf Zeit unterrichten. Diese haben sich ebenfalls darüber gefreut, auf einen Deutschen zu treffen und waren mindestens genauso interessiert daran, etwas über mich und den Grund meines Aufenthaltes in Ungarn zu erfahren, so wie es in meinem Interesse lag, etwas über sie und ihre Arbeit hier herauszufinden.

Gearbeitet habe ich während dieser Zeit in Bükfürdő: dies ist ein Kur- und Erholungsort, in dem es Thermal- und Schwimmbäder, Saunen und große Grünflächen gibt.
Angrenzend an Bükfürdő liegt die Kleinstadt Bük mit etwa 3.500 Einwohnern. Die Besucher des Kurorts sind allerdings dennoch zum größten Teil Touristen. Viele von ihnen kommen aus Österreich, da der Grenzübergang hierzu lediglich 20km entfernt liegt – und, der nicht weniger relevanten Tatsache, dass der Wechselkurs von Euro in Ungarische Forint ziemlich hoch ausfällt und man dementsprechend, sollte man die Eurowährung nutzen, verhältnismäßig billig davonkommt. Während meiner Arbeit bin ich auf viele Deutschsprachige getroffen und habe mich auch überwiegend nur mit diesen richtig – abgesehen von denjenigen, die Englisch gesprochen haben – muttersprachlich unterhalten können.
Mit meinen Arbeitskollegen habe ich die meiste Zeit Englisch gesprochen, wobei viele von ihnen allerdings auch in der Lage sind, sehr gutes Deutsch zu sprechen. Ich habe mich hier sehr gut aufgehoben gefühlt und sie gaben mir bereits in den ersten Tagen das Gefühl, ein fester Bestandteil des Teams und der familiären Struktur zu sein. Erwähnenswert ist auch, dass ich mich ebenfalls mit meinen Arbeitskollegen privat traf und mit einigen meine Freizeit gemeinsam verbracht habe.

Als ein abschließendes Resümee und Fazit bleibt mir eigentlich nur eines zu sagen:
„Es war wirklich unglaublich!“
Ich habe innerhalb von nur 3 Wochen so viel mehr erlebt als ich und so viele andere wahrscheinlich auch, in mehreren Monaten, ja gar Jahren, nicht erleben können!
Ich habe viele Freundschaften schließen können, zu denen ich auch weiterhin über Social Media, wie etwa Facebook, den Kontakt aufrecht erhalten werde. Ohne jeden Zweifel werde ich auch hierher zurückkommen, meinen Urlaub hier verbringen und meine Freunde und alten Arbeitskollegen besuchen. Jedem, dem sich eine solche Chance bieten sollte, im Ausland zu arbeiten und etwas von der Welt zu sehen, dem kann ich nur von Herzen empfehlen, eine solche Gelegenheit wahrzunehmen! Derartige Möglichkeiten werden sich, besonders im Alter, nicht mehr häufig, bzw. so gut wie gar nicht ergeben und man sollte es nutzen, solange man kann.

Es ist eine unbezahlbare und wirklich einzigartige Erfahrung!

In diesem Sinne:

Grüße nach Deutschland und an all jene Schüler/Lehrer der BBS Peine – oder vielleicht sogar darüber hinaus – die dies hier gelesen haben!

  • 12.07.2019, Kai Boße