Juniorwahl in den BBS: 430 Schüler stimmen ab

Parallel zur offiziellen Europawahl haben auch 430 Schüler der Berufsbildenden Schulen (BBS) in Vöhrum ihr Votum abgegeben – bei den sogenannten Juniorwahlen. Dabei erreichten die Grünen über 30 Prozent und wurden stärkste Partei.

Wahlergebnis:

„40 Parteien? Wie soll ich mich da denn entscheiden?“, fragt BBS-Schüler Burhan vor dem Wahlraum. Er schaut sich den Musterwahlzettel an und wirkt ein wenig ratlos. Sie hätten zwar auch über Partei-Inhalte im Unterricht gesprochen, aber „wer soll sich das denn merken können, welche Partei was umsetzen möchte?“

„Vor dem Politikunterricht der vergangenen Wochen wusste ich nicht einmal, wie wichtig diese Wahl ist – geschweige denn, wen oder was ich da überhaupt wählen soll.“ Filiz ergeht es wie vielen anderen Schülern. Die Europawahl ist für viele sehr abstrakt und Europa sowie deren Entscheidungsträger in Brüssel weit entfernt. Manche jedoch auch nicht: „Seitdem wir vor zwei Wochen die Veranstaltung mit den Politikern hatten, weiß ich genau was ich wählen werde“, sagt Sinja. „Einen Politiker fand ich richtig gut und überzeugend, die Partei bekommt meine Stimme!“ Welche das ist, wird jedoch nicht verraten. „Wahlgeheimnis“, sagt sie und lächelt.

Die BBS Peine nimmt schon lange bei jeder wichtigen Wahl an dem Projekt „Juniorwahl“ teil. „Das erste Mal, dass ich mit einer Klasse daran teilgenommen habe, war 2008. Da waren die Landtagswahlen in Niedersachsen und viele Schüler wurden mit dem Projekt an die Wahlen herangeführt“, so Ulf Wolters von den BBS. Mittlerweile hat er als Teamleiter das Projekt selbst mehrfach als Wahlleiter durchgeführt, Politikerveranstaltungen zur Wahl inklusive. Das Projekt „Juniorwahl“ wird bundesweit noch länger durchgeführt. Seit 1999 wählen zu allen Europa-, Bundestags- und Landtagswahlen mehr als drei Millionen Jugendliche von 2760 Schulen beteiligt – damit zählt die „Juniorwahl“ zu den größten Schulprojekten in Deutschland. Ziel ist das Üben und Erleben von Demokratie. Das Projekt wird neben den Kultusministerien der Länder auch durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das Europäische Parlament und die Bundeszentrale für politische Bildung gefördert.

23 Klassen waren dabei

„Wahlen einzuüben und die Hemmungen bei den Jugendlichen zu nehmen halte ich für eine ganz wichtige Sache“, so Wolters zu den Juniorwahlen. „Das Jugendliche nicht unpolitisch sind, kann man doch an der Klimabewegung, den Youtubern wie Rezo und dem Interesse an der Digitalisierung gut erkennen. Daher sollte man Vorurteile und Hemmungen abbauen, damit auch Sie ihre Stimme abgeben, um die oft schwache Wahlbeteiligung bei den Europawahlen zu verbessern. „Im Verhältnis zur Europawahl 2014 wird die Akzeptanz und die Teilnahme des Projektes und der Europawahlen größer, so Wolters. In den BBS nahmen dieses mal 23 Klassen mit 430 Schülern teil. Zur letzten Europawahl steigerte sich die Teilnahme damit um mehr als 30 Prozent.

Filiz hat auch offiziell gewählt

Filiz hat inzwischen abgestimmt. Aus den 40 Parteien, die sich zur Wahl gestellt haben, hat sie zielsicher eine ausgesucht. „Im Unterricht haben wir auch die Inhalte der Parteien besprochen und den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung benutzt. Damit konnte ich mir ein gutes Bild machen und wusste, wen ich wählen würde.“ Dass der Wahl-O-Mat abgestellt wurde, fand sie „völlig daneben. Man konnte doch alle Parteien anwählen, musste das nur nach und nach machen.“ Auch am Sonntag hat sie offiziell gewählt. „Das Projekt macht Lust auf Politik, ich habe doch einige Themen gefunden, die mich interessieren.“ Der Trend der Jugendlichen ist klar erkennbar. Die Jugend wählt grün. Deutschlandweit erreicht die Ökopartei 30 Prozent. In den BBS haben die Grünen mit 25 Prozent die Nase vorn, wenn auch nicht so eindeutig wie landes- und bundesweit. Die SPD ihnen sitzt mit 21 Prozent im Nacken, ist aber im Vergleich zu 2014 der klare Wahlverlierer. Damals hatten sie noch 38 Prozent der Stimmen. Die CDU spielt mit 8,5 Prozent der Stimmen bei der Jugend in Peine kaum eine Rolle.

Von Thomas Kröger, PAZ 27.05.19